Ein Beitrag der AG Energiepolitik
KI (Künstliche Intelligenz – Anm. der Redaktion) ist ein Mega-Hype, aber einer mit einem soliden Kern. Momentan gibt es (zu) viel Phantasie darum, was KI alles kann. Es wird oft massiv übertrieben und übersehen, dass das „I“ in der Bezeichnung nicht zu ernst zu nehmen ist. Tatsächlich wäre „KD“, also „Künstliche Dummheit“, die ehrlichere Bezeichnung, denn Intelligenz in dem Sinne, wie wir menschliche Intelligenz verstehen, steckt nicht dahinter.
Aber unabhängig davon ist KI ein neues und mächtiges Werkzeug und wie immer kann so etwas zum Guten oder Bösen verwendet werden.
Ein großer Teil der KI ist bisher von den USA abhängig. Die Prozessoren kommen meistens von NVIDIA, die Rechenzentren stehen in den USA. Das schafft gefährliche Abhängigkeiten, die jüngste Vergangenheit hat uns deutlich gezeigt, wie schnell das benutzt werden kann für Erpressung zwischen Staaten. Auch die Frage, was mit den Daten passiert, ist in dieser Situation problematisch. Die US-Firmen sehen nicht ein, sich an unsere Gesetze zu halten und haben wegen der Abhängigkeit ein starkes Druckmittel.
Der Ausweg kann nur lauten, dass eigene Kapazitäten in Europa und auch in Deutschland aufgebaut werden. Sowohl für KI als auch für Cloud-Dienste. Da es hier auch um ein riesiges zukünftiges Geschäft geht, sind diverse Player mittlerweile dabei genau dies zu tun. Leider aber nicht unbedingt in der besten Art und Weise.
Deutschland hat ein regulatorisches Problem bei der Stromversorgung. Wir haben nur eine Strompreiszone für das ganze Land. Das hört sich erst mal gut an, weil dann vermeintlich keine Standortnachteile dadurch entstehen. Tatsächlich ist es aber ein Standortnachteil für das ganze Land.
Die eine monolithische Strompreiszone hat zur Folge, dass der Strompreis davon entkoppelt ist, ob der Strom denn von da wo er erzeugt wird überhaupt dahin kommt, wo er verbraucht werden soll. Also wenn viel Windstrom im Norden ist, dann ist der Strom auch im Süden billig, kommt aber dort nicht hin, was zu einer Überlastung der Netze führt, die teure Regeleingriffe erforderlich macht.
Das führt natürlich auch dazu, dass Rechenzentren nicht unbedingt da gebaut werden, wo es vom Stromnetz her sinnvoll wäre.
Das neue KI-Rechenzentrum der Telekom steht in München, einer Gegend, wo Strom nicht im Überschuss ist. Immerhin ist der Leistungsbedarf hier mit 12 MW übersichtlich.
Schaut man sich die Karte an, welche Bundesländer mehr Strom erzeugen, als sie selber verbrauchen und welche auf Strom aus anderen Bundesländern angewiesen sind, dann wird klar, dass entweder bei der Stromerzeugung massiv nachgelegt werden müsste, oder die Standortentscheidungen anders aussehen sollten. Dank der monolithischen Strompreiszone fehlt dafür aber ein Preissignal, insbesondere für sehr große Verbraucher, da diese auch geringere Netzentgelte zahlen. Die Kosten für die Standortentscheidung tragen dadurch die kleineren Verbraucher.
Entsprechend kritischer ist die Entscheidung das drittgrößte Rechenzentrum Europas bei Frankfurt am Main zu bauen. 482 MW Anschlussleistung bedeuten nochmals einen deutlichen Zuwachs des Stromdefizits von Hessen. Offensichtlich ist die Standortentscheidung primär wegen der Nähe zum Internetknoten DE-CIX getroffen worden. Aber eine hochleistungsfähige Glasfaserleitung wäre schneller und billiger zu verlegen, als eine Stromtrasse.
Auch das jetzt abgelehnte Rechenzentrum in Groß-Gerau, um das es viele gegensätzliche Meinungen bei den Anwohnern gab, ist ein Beispiel für so eine Standortwahl. Für den Betrieb wäre der Neubau eines Gaskraftwerkes notwendig gewesen, was dann ein wesentlicher Faktor für die Ablehnung des Projektes war.
Deutlich besser gewählt ist der Standort an dem die Schwarz-Gruppe ihr KI-Rechenzentrum baut. Bei Lübbenau in der Lausitz steht viel Windstrom, sowie immer mehr PV-Strom zur Verfügung und in der Nähe entsteht der bisher größte Batteriespeicher Deutschlands mit 1 GW Leistung und 4 GWh Kapazität, auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde.
Letztlich haben die Standortentscheidungen einen Einfluss auf die Stromrechnungen aller anderen Kunden. Das betrifft nicht nur Rechenzentren, sondern generell Standortentscheidungen von Großverbrauchern. Gelöst werden kann dies nur durch den Ausbau der lokalen Versorgung und durch Preissignale, die sich an den physikalischen Gegebenheiten orientieren. So lange wir so tun, als wenn Strom einfach überall verfügbar wäre, wo man es gerade will, dann werden die Kosten weiter für alle steigen und die Strukturen passen sich nicht an, sondern werden mit Gewalt und viel Geld zurecht gebogen.
Quellen:
[1] Telekom: Deutschlands erste KI-Fabrik für die Industrie[2] Telekom: Rechenzentrum soll deutsche KI Leistung um die Hälfte steigern
[3] Energy Charts: Import_/ Export_Karte
[4] Heise: 482 Megawatt – Gigantisches Rechenzentrum in Reinhessen
[5] Wikipedia: DE-CIX
[6] Golem: Investor Gross Gerau stimmt gegen milliarden Rechenzentrum
[7] SWR aktuell: Schwarz Gruppe – riesen Rechenzentrum Lübbenau Spreewald Brandenburg
[8] Solarserver: Leag baut Gigawatt Batteriespeicher am Braunkohlekraftwerk Jänschwalde


