Er hat Musik gemacht, die nach Abgrund klingt, und selbst war er einer der zugänglichsten Menschen in jedem Raum, in dem er stand. Das ist kein Widerspruch. Wer Bruno Kramm nur von der Bühne kannte, kannte ihn nicht.
Auf der Bühne war er Das Ich: Synthesizer, schwarze Ästhetik, der charakteristische Sound, jemand der die Schwarze Szene der Neunziger geprägt hat wie kaum ein zweites deutsches Projekt. Hinter dieser Maske steckte jemand, der genau wusste, dass sie eine Maske war, und der sie nach dem Konzert mit einer Leichtigkeit ablegte, die überraschte. Er war jemand, der einen Raum mit Freude füllte. Einfach so, ohne Aufwand, ohne Pose. Einfach Bruno.
Ich kannte Bruno aus der Piratenpartei, aus meinem Landesverband, von Aktionen und Veranstaltungen. Er kam zu den Piraten über das Urheberrecht, und das war kein Zufall: Er verstand die Frage als Musiker, Produzent und Labelmacher gleichermaßen aus dem Inneren.
Als Gründer von Danse Macabre Records hatte er selbst jahrzehntelang auf beiden Seiten des Tisches gesessen. Was ihn beschäftigte, war keine Ideologie, sondern Erfahrung. Und er hat dafür gestritten, nicht nur in Diskussionen, sondern vor Gericht.
2016 gewann er mit seinem Bandkollegen Stefan Ackermann eine Klage gegen die GEMA, die weit über seinen eigenen Fall hinauswirkte. Das Kammergericht Berlin entschied in letzter Instanz: Die GEMA darf keine Ausschüttungen an Verlage vornehmen, weder bei Vergütungsansprüchen noch bei Nutzungsrechten.
Jahrzehntelang hatten Verlage sich rechtswidrig an den Tantiemen, die eigentlich alleinige den Urhebern zustanden, bereichert. Bruno hatte das am eigenen Leib erlebt, dagegen geklagt und es ihnen ausgetrieben. Das Urteil war rechtskräftig, die Konsequenzen real: Geld, das bis dahin in die Kassen der Verlage geflossen war, konnte künftig an die zurückgehen, die es erarbeitet hatten.
Vor einem halben Jahr haben wir noch telefoniert. Es ging um KI-Musik und die Zukunft der Branche. Er war, wie immer, fröhlich, nahm die Fragen ernst, dachte laut nach. Man merkte, dass ihn das Thema beschäftigte, dass er die Entwicklung verfolgte und einordnete, ohne sich damit abzufinden. Typisch Bruno.
Was man an ihm hatte: jemanden, der komplizierte Sachverhalte ohne Vereinfachung erklären konnte und trotzdem im Gespräch blieb, anstatt Vortrag zu halten. Einen feinen Kerl.
Am Freitagabend hat Das Ich in Granada gespielt, das erste Konzert des Duos im Süden Spaniens. Nach Medienberichten kam es danach zu einem medizinischen Notfall. Bruno wurde 58 Jahre alt.
Dies ist der Text der Flaschenpost geschrieben von Sperling. Auch wenn einige von uns aus dem BuVo Bruno kennen gelernt haben, hat keiner von uns ihn so gekannt wir er. Daher sind wir froh aber auch betrübt diesen Nachruf bei uns einzustellen.
Vielen Dank Bruno


