„Aber was machen wir in der Dunkelflaute?“ Wer hat diese Frage noch nicht gehört in einer Diskussion zum Thema Energieversorgung? Katherina Reiche, auch bekannt als Gaskathi, hat darauf die Antwort: Gaskraftwerke bauen! Ganz viele!
Miese Planung
Dummerweise hat dieser Plan diverse Fehler. Das geht los damit, dass die Gasturbinen für diese Kraftwerke weltweit bis mindestens 2030 ausverkauft sind, aber 2030 sollten die doch schon in Betrieb gehen! Auch sehr unschön ist, was grade im Persischen Golf passiert. Und das wenige Jahre, nachdem wir doch eigentlich mit dem russischen Gas die Lektion gelernt haben sollten, dass Versorgungssicherheit mit Erdgas nicht so ganz einfach ist. Vom Klimaschutz fangen wir mal gar nicht erst an.
Miese Zahlen
Auch wirtschaftlich sind fossile Gaskraftwerke nicht gerade die beste Idee, denn das Gas muss man aus dem Ausland einkaufen. Das verhagelt die Handelsbilanz und der Strom aus den Gaskraftwerken ist dann natürlich sehr teuer. Dann jetzt kommt der Klimaschutz noch ins Spiel: Die europäischen Klimaziele werden wir auf diesem Weg krachend verfehlen und Strafen in Milliardenhöhe zahlen.
Gas schon, aber das Richtige
Warum reden wir nicht einmal über etwas, das wir ohnehin bereits selber im Land haben und nur sinnvoller einsetzen müssten? Fast 9 GigaWatt Biogasanlagen laufen momentan im Dauerbetrieb, erzeugen also Grundlast, für die unser Netz eigentlich keinen Bedarf mehr hat, weil die anderen Erneuerbaren immer öfter 100% des Stroms liefern können“. Würde man diese Anlagen aus der Grundlast holen und sie flexibilisieren, dann hätten wir hier eine erhebliche Reserve.
Rund 31 TWh (Terrawattstunden) Strom werden pro Jahr aus Biogas erzeugt. Würde man die Anlagen mit zusätzlichen Generatoren ausrüsten (überbauen), ließen sich so kurzfristig 12 GW und längerfristig sogar 24 GW Leistung erreichen [1], die flexibel Versorgungslücken überbrücken könnten. Da Strom für solche Reserven deutlich höher vergütet wird, wäre diese Investition für die Betreiber auch sicher und lukrativ und das gegebenenfalls auch ohne eine Einspeisevergütung nach EEG.
Der flexible Betrieb von Biogasanlagen bedarf zwar einer Nachrüstung, z.B. mit zusätzlichen Generatoren, um eine höhere Leistung zu erreichen, ist technisch aber problemlos zu beherrschen. Die Biomasse würde hierbei die Speicherfunktion übernehmen und die Vergärung würde jeweils dem Bedarf angepasst werden. Da die Biomasse zunehmend aus landwirtschaftlichen Abfällen besteht, wäre das auch ökologisch ein Gewinn und hilft uns tatsächlich, Klimaziele zu erreichen.
Einen wichtigen Teil unserer Energieversorgung würden wir so lokal, dezentral und unabhängig von Importen sichern können. Die Wertschöpfung bliebe im Land und bei mittelständischen Unternehmern. Aber natürlich brauchen wir dann weniger (oder gar vielleicht sogar keine) Gaskraftwerke die Gaskathi so gerne bauen möchte, darum will sie das Biogas auch lieber in den Heizungen verbrennen.
Quellen:
[1] Bundestag : Stellungnahme Hauptstadtbuero Bioenergie[2] Energiepolitik Piratenpartei : 2024/05/20 Denn sie wissen genau was sie tun Spiel mir das Lied von der Grundlast
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Schon zu Zeiten, in denen wir Frau Reiche noch nicht ertragen mussten, haben die von den Übertragungsnetzbetreibern initiierten Szenariorahmen den Rückbau von Biogasanlagen von 9 GW auf ca. 5 GW Leistung bis 2045 „vorgeschlagen“. Die BNetzA hat wie immer gütig dazu genickt. Wir (Team Orangebuch) haben diese Pläne als völlig absurd in unseren Stellungnahmen zum BNetzA-Schrift“gut“ kritisiert. Vielmehr wäre eine deutliche Erhöhung der Biogas-Kapazität angesagt, zumal zusätzlich mehr Abfälle als Biogasquelle verwertet werden könnten, Diese Aussage fehlte mir in dem Text, der ansonsten genau die Dinge auf den Punkt bringt. Der kontinuierliche Betrieb von Biogas-Anlagen zur Stromerzeugung ist, volkswirtschaftlich betrachtet, absoluter Unsinn. Die Generatoren könnte man spätestens im April komplett herunterfahren, weil dann bis mindestens Mitte Oktober genügend Strom aus Sonne und Wind zur Verfügung steht. Das würde die Chance eröffnen, Gasreserven für den Winter einzulagern. Mit 20 bis 30 TWh ließe sich bilanziell bestehende Winterlücke nach unseren Berechnungen fast zur Hälfte schließen. Das im Text genannte Upgrade der Generatorenleistung würde das Problem der Dunkelflaute zudem deutlich minimieren. Natürlich wäre auch das angemahnte Umdenken in der Betriebsart von Biogasanlagen mit erheblichen Investitionen verbunden. Aber Frau Reiche möchte gar nicht umdenken, sondern für noch SEHR VIEL MEHR Geld neue Gaskraftwerke bauen, um ihre Buddies zufrieden zu stellen. Weitere umfangreiche Gasimporte, die neben den Baukosten dafür notwendig sind, zahlen sich für manche Leute aus, und das im so mehr, je unsicherer die Marktlage ist. Man muss nur einmal raten, wer die Zeche dafür bezahlt.
Es bleibt die Hoffnung, dass uns der bajuwarische Großfürst mit seiner Idee zum Bau von Minikernreaktoren rettet… Wann wird öffentliches, dreistes Lügen endlich zum Straftatbestand?