Die Piratenpartei Deutschland kritisiert den aktuellen Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (Version 2025) als völlig untauglich und ruft zu einer Korrektur der Planungsgrundlagen auf. Die PIRATEN fordern der direkten Elektrifizierung, dem Speichern und Lastmanagement Vorrang vor dem Trassenbau, Gaskraftwerken und Wasserstoff zu geben, sowie die lokale und dezentrale Versorgung zu priorisieren. Die Planung muss sich an realistischen Potenzialen und Risiken orientieren.
Berlin, 18. Januar 2026 – Der von den Übertragungsnetzbetreibern vorgelegte erste Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 ist nach Einschätzung der Piratenpartei komplett unrealistisch, erzeugt immense Kosten und gefährdet die Versorgungssicherheit. Ohne deutlich beschleunigte Genehmigungsverfahren, massive Ausbauanstrengungen und gesicherte Materialverfügbarkeit sind die vorgesehenen Maßnahmen unrealisierbar. Große Infrastrukturprojekte benötigten in Deutschland häufig mehr als fünfzehn Jahre bis zur Fertigstellung – angesichts dessen erscheinen die Zieljahre 2037 und 2045 im NEP-Entwurf illusiorisch.
Ein zentrales Problem des aktuellen Entwurfs ist die starke Abhängigkeit von Stromimporten und grünem Wasserstoff, deren Verfügbarkeit völlig ungesichert ist. Die starke Konzentration auf Wasserstoff für die abrufbaren Kapazitäten ist unrealistisch. Es gibt bisher weder einsatzbereite Technik für Wasserstoffkraftwerke, noch Produktionskapazitäten für solche Anlagen. Die weltweiten Produktionskapazitäten für Erdgas-Turbinen sind auch auf Jahre ausgebucht. Für den grünen Wasserstoff gibt es keine nennenswerten Produktionskapazitäten und der Aufbau der Kapazitäten bleibt weit hinter den Wunschvorstellungen zurück. Zudem sind die angesetzten Preise reine Phantasie, seriöse Studien kommen auf ein Vielfaches.
Laut dem Entwurf des Netzentwicklungsplans haben nur wenige Nachbarländer Überschüsse und auch diese Länder haben nach der Planung einen hohen Anteil an Erneuerbaren und keine ausreichenden Kapazitäten an abrufbaren Kraftwerken. Woher die Stromimporte kommen sollen, ist daher unklar. Bei entsprechenden Großwetterlagen käme es also zu Unterversorgungen. Dabei gehen diese Zahlen auch davon aus, dass z.B. in UK die Atomkraftwerke Hinkley Point C und Sizewell C pünktlich ans Netz gehen, was aufgrund der Erfahrungen mit solchen Projekten stark zu bezweifeln ist.
Der Einfluss großer Batteriespeicher wird, wie schon im Szenariorahmen, weiterhin kleingerechnet. Immerhin wurden einige Planungszahlen mit dem Stand vom März 2025 übernommen, welche zum aktuellen Zeitpunkt bereits schon wieder überholt sind. So wird mit einer unrealistisch kleinen Menge an Batteriespeichern gerechnet, die zusätzlich frühzeitig stagnieren soll. Das ist angesichts des aktuellen Marktgeschehens unkorrekt. Batteriespeicher sind immer noch in einem schnellen Preisverfall und mittlerweile die günstigste Option für den Neubau von Stromspeichern.
Die Kombination von schnellem Ausbau der Batteriespeicher auf allen Netzebenen, Strompreiszonen die die Netzauslastung mit berücksichtigen und damit Flexibilisierung un Lokalisierung von Erzeugung und Verbrauch, ergäbe ein deutlich zuverlässigeres und preiswerteres System, als das was im Netzausbauplan vorgesehen ist.
Guido Körber, Themenbeauftragter für Energiepolitik der Piratenpartei Deutschland, erklärt: „Anscheinend ist Ziel dieses Plans, dass möglichst viele Stromtrassen gebaut werden und eine Mangellage verursacht wird, die eine Laufzeitverlängerung der Kohle und mehr Gas notwendig machen wird. Das ist weder im Interesse der Bürger noch der Wirtschaft. Damit werden immense Kosten verursacht, Versorgungssicherheit aufgegeben und wir werden die Klimaziele verfehlen, was massive Strafzahlungen verursacht.“
Für diese Strafzahlungen müsste dann wieder der normale Steuerzahler aufkommen.
Angesichts der genannten Erkenntnisse fordert die Piratenpartei konkret:
• Das Verfahren zur Erstellung des Netzentwicklungsplans muss grundlegend überarbeitet werden. Die Übertragungsnetzbetreiber damit zu betrauen ist als wenn man Frösche fragt, wie groß der Sumpf sein soll.
• Lokal und dezentral schafft Ausfallsicherheit und verteilt die Wertschöpfung in der Fläche.
• Flexibilisierung und Speichern muss vor dem Bau von Stromtrassen gehen. Speicher zu bauen geht schneller, als Trassen zu bauen.
• Weg von der Fixierung auf Gas und Wasserstoff. Es sind Energieträger, die Deutschland weiter in einer Abhängigkeit halten. Statt das Stromsystem weiter zentralistisch zu denken, muss die Planung dezentralen Lösungen und der intelligenten datensparsamen Steuerung vor Ort deutlich mehr Raum geben.
Die Piratenpartei wird den weiteren Prozess zum Netzentwicklungsplan kritisch begleiten. Spätestens mit Vorlage des zweiten Entwurfs Ende März 2026 erwartet sie von der Bundesnetzagentur, dass diese die öffentlichen Einwände ernst nimmt und Korrekturen vornimmt. „Eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Stromversorgung bis 2045 erreichen wir nur mit ehrlicher Planung und mutigen Entscheidungen, jetzt getroffen werden“, so Körber. „Dazu gehört, unrealistische Szenarien über Bord zu werfen und den Weg frei zu machen für die echten Lösungen einer Energiewende.“
Quellen:
【1】 Bundesverband Neue Energiewirtschaft : Stellungnahme zum ersten Entwurf NEP Strom 2037/2045 (2025), 14.01.2026
【2】 Piratenpartei Deutschland, AG Energiepolitik: Antwort zum Szenariorahmen für den NEP 2025–2037/2045 Strom/Gas/Wasserstoff, 29.09.2024
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