Berlin, 3. August 2026. Der aktuelle „KI“-Boom treibt weltweit den Bau von Rechenzentren voran, oft ohne Rücksicht auf die Nachbarn oder die Umwelt. Den Betreibern dieser Zentren geht es nicht darum, gut oder sogar nachhaltig zu bauen, sondern um Geschwindigkeit. Wer als Erster die neuesten Modelle bereitstellt, sichert sich Marktanteile.

Die Piratenpartei Deutschland fordert eine grundlegende Neuausrichtung: Standorte müssen sich an der Verfügbarkeit von günstigem und nachhaltig produziertem Strom und einer sinnvollen Abwärmenutzung orientieren, nicht primär an der nächsten Internetleitung. Denn in Deutschland bedeutet das im Regelfall nahe Frankfurt am Main und dem Internetknoten DE-CIX [1].

In dicht besiedelten Regionen stößt das auf Grenzen, denn der hohe Strombedarf geht mit einem ebenso hohen Bedarf an Kühlung einher und dieser macht Lärm, heizt die Umgebung auf und verbraucht im schlimmsten Fall immense Mengen an Wasser. Wasser, auch bei einem relativen Wasserpegelstand von 161 cm des Main, denn am billigsten kühlt man, wenn man Wasser verdampfen lässt, gefolgt von direkter Kühlung mit Wasser, das dann heiß wieder in die Umwelt abgegeben wird. Bei Rechenzentren, die mittlerweile in Megawatt gerechnet werden, bedeutet das einen hohen Verbrauch von sauberem Wasser. Die weniger ressourcenfressende Trockenkühlung, bei der die Wärme mit Luft abgeführt wird, kommt seltener zum Einsatz, da sie aufwändiger ist und mehr Energie benötigt.

Für die Stromversorgung werden vielerorts Gaskraftwerke direkt am Rechenzentrum errichtet. Also keine nachhaltige und saubere Versorgung. Wenn dies in dicht besiedeltem Gebiet passiert, ist dies eine weitere Belästigung und Belastung für die Anwohner. Etliche Projekte sind aus diesen Gründen bereits gescheitert, weil sich die Anwohner und die Kommunen zur Wehr setzten. Das grundlegende Problem sind nicht die Rechenzentren als solche, sondern die Frage, wie und wo sie geplant werden. Wer ein Rechenzentrum unbedingt in ein dicht besiedeltes Gebiet und noch ein Gaskraftwerk daneben bauen will, um es dann mit viel Wasser zu kühlen, der muss sich nicht wundern, wenn das Widerstand findet.

Dabei ginge es auch anders. Die Standortwahl sollte sich nicht primär an der Internetleitung orientieren, denn die ist im Vergleich zu anderen Aspekten relativ leicht gelegt, sondern an der Verfügbarkeit von Strom, und zwar aus Erneuerbaren. Die Abwärme sollte einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden, zum Beispiel einem Gewerbepark, einem Wärmespeicher oder einem (nicht zu nahe gelegenen) Wohngebiet.

Dafür fehlen in Deutschland steuernde Mechanismen, wie z.B. Strompreiszonen, damit der Strom da verbraucht wird, wo er auch wirklich verfügbar ist, oder eine sinnvolle Bepreisung von Wasser für solche Anwendungen. Wenn es billiger ist, knappes Wasser zu verbrauchen, als Fernwärme zu liefern, dann läuft etwas falsch.

Ein positives Beispiel für sinnvolle Planung ist das Rechenzentrum, das in Brandenburg [2] [3] die Schwarz-Gruppe [4] errichtet. An einem ehemaligen Kraftwerksstandort in Lübbenau befindet sich das Rechenzentrum mitten in einem Gebiet mit viel Windkraft und PV. Die Abwärme soll in das lokale Fernwärmenetz eingespeist werden. Und für eine zuverlässige Versorgung garantiert die 4 GWh große Batterie, die in Jänschwalde entsteht.

Wenn mehr mit dem Kopf, als mit der Brechstange gearbeitet wird, dann funktionieren Projekte, die für die Zukunft wichtig sind, viel besser: Dinge richtig und da machen, wo sie funktionieren.

[1] Wikipedia: DE-CIX

[2] rbb24: Brandenburg Oberspreewald Lausitz Lübbenau – Rechenzentrum Discounter Spatenstich

[3] rbb24: Batterie Speicher Strom erneuerbare leag – Vertrag Jänschwalde

[4] Wikipedia: Schwarz-Gruppe