Die CDU/CSU verrät das Erbe Adenauers für 10,- €

Berlin, 13. August 2026
Die Bundesregierung verkauft die Frühstartrente als Zukunftsprojekt. In Wahrheit ist sie das Eingeständnis, dass die Altparteien das Erbe Adenauers, die solidarische, umlagefinanzierte und am gesellschaftlichen Wohlstand orientierte Rente, nicht mehr verteidigen wollen.

Die „Frühstartrente“ sieht vor, dass der Staat für Kinder vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einzahlt. Zusätzliche private Einzahlungen sollen möglich sein. Damit wird Altersvorsorge noch stärker davon abhängig gemacht, ob Eltern und Großeltern genug Geld zur Verfügung haben, um das Depot aufzustocken.

Schwarz/Rot bieten Kindern zehn Euro Börsengeld und nennen das Zukunft. Wer aus einer wohlhabenden Familie kommt, erhält zusätzliches Kapital und kann Risiken besser abfedern. Wer arm ist, bekommt ein Mini-Depot und soll darauf vertrauen, dass die Börse über Jahrzehnte schon irgendwie liefert. Das ist keine Chancengerechtigkeit, sondern die Vererbung sozialer Ungleichheit mit staatlichem Startbonus.

„Adenauers Rentenreform von 1957 war solidarisch und band die Rente an den Wohlstand der Gesellschaft. Die schwarz-rote Regierung dreht dieses Prinzip um. Sie schicken Kinder mit zehn Euro im Monat an die Börse, wo man alles verlieren kann, und verkaufen das als Zukunftssicherung. Mehr Verarsche kann nur die AfD.“, so Babak Tubis, Mitglied des Bundesvorstandes der Piratenpartei Deutschland.

Besonders entlarvend ist die begleitende Finanzkommunikation: Während die parlamentarische Ausgestaltung noch bevorsteht, erläutert die Sparkassen-Finanzgruppe bereits konkrete Wege in Junior-Depots, private Zuzahlungen und Beratung. Die Botschaft ist eindeutig: Der Staat schafft den Anreiz, Familien sollen Kapital nachschießen und Finanzinstitute stellen die Produkte bereit.

Die Rentenreform von 1957 machte aus der Rente mehr als ein Almosen: Sie stärkte das Umlageverfahren und die dynamische Anpassung der Renten an die durchschnittliche Einkommensentwicklung. Rente sollte den Lebensstandard im Alter sichern, nicht Menschen zur Spekulation auf ihren eigenen Lebensabend zwingen.

Die Regierung dreht dieses Prinzip um. Statt einer starken sozialen Sicherung soll nun jedes Kind früh lernen, dass seine Zukunft von Renditen, Gebühren und Marktentwicklungen abhängt. Das ist die kapitalistische Denkweise des 19. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert! Eigentum kann mehr Eigentum erzeugen, während Arbeit, Pflege, Erziehung und gesellschaftliches Engagement als Kostenfaktor behandelt werden.

Wer die gesetzliche Rente schwächt und als Ersatz private Kapitalanlagen anbietet, verlagert Risiken auf die Einzelnen. Börsenrenditen ergeben jedoch keine garantierte Rente. Selbst die Sparkassen weisen bei Wertpapieranlagen auf mögliche Verluste hin.

Die Piratenpartei Deutschland fordert eine Politik, die Armut verhindert, statt Menschen auf private Vorsorge und Kapitalmärkte zu verweisen. Wie zum Beispiel

  • Ein Grundeinkommen als individuelle und existenzsichernde Basis von Geburt an, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern.
  • Eine starke gesetzliche Rente, die darüber hinaus durch die eigenen Lebensleistungen den Lebensstandard im Alter erhöht.
  • Die Anerkennung sozialer Berufe, Berufe am und im Dienste der Menschen unserer Gesellschaft, anstelle der Förderung der Kapitalwirtschaft.

Konsequente Bekämpfung von Kinderarmut heute, anstatt Almosen bis zum Rentenalter in Finanzprodukten festzuschreiben.

Eine gerechte Neuordnung der Finanzierung: Arbeit, Pflege, Erziehung und Ehrenamt dürfen nicht länger die erste Steuerquelle des Staates sein.

„Arbeit schafft Werte“, so Lilia Kayra Kuyumcu, Vorsitzende der Piratenpartei Deutschland, „im Betrieb ebenso wie bei der Pflege Angehöriger, bei der Kindererziehung und im Ehrenamt. Es ist sinnvoller, den Verbrauch von Waren und knappen Ressourcen, klimaschädliche Produktion, große Vermögen und spekulative Finanztransaktionen stärker heranzuziehen, statt Arbeitsleistung zu bestrafen“, erklärt sie.

Eine reine Konsumbesteuerung wäre allerdings sozial ungerecht, weil Umsatzsteuern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Person nicht berücksichtigen. Deshalb müssen Güter des täglichen Bedarfs entlastet, ressourcenintensiver Luxusverbrauch progressiv belastet und die Einnahmen über ein Grundeinkommen an alle zurückverteilt werden. Modelle der Grundeinkommensfinanzierung diskutieren entsprechend Kombinationen aus Konsum-, Ressourcen-, Vermögens- und weiteren Abgaben, nicht bloß eine pauschale Mehrwertsteuer.

Nicht Arbeit ist das Problem, sondern die ungleiche Verteilung von Vermögen, Ressourcen und Macht. Kinder brauchen keine staatlich angewiesene Börsenbiografie. Sie brauchen gute Bildung, soziale Sicherheit und das Recht auf ein Leben in Würde, unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern anlegen können.

Quellen:
Bundesministerium der Finanzen: Fragen und Antworten zur Frühstartrente
tagesschau.de: Regierung bringt Frühstartrente auf den Weg
Sparkasse: Wie funktioniert die Frühstart-Rente?
Deutscher Bundestag: 21. Januar 1957 – Bundestag beschließt die Rentenreform
Deutsche Rentenversicherung: Geschichte der Deutschen Rentenversicherung
Deutsche Rentenversicherung: 65 Jahre Rentenreform – Reform mit großer Wirkung
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Historie der gesetzlichen Rentenversicherung
Bundeszentrale für politische Bildung: Grundlagen und Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung
Bundeszentrale für politische Bildung: Geschichte der Rentenversicherung in Deutschland
Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Rolle der Umsatzsteuer und ihr Beitrag zur Finanzierung
Bundeszentrale für politische Bildung: Grundeinkommen – Finanzierungskonzepte und Modellversuche

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