Berlin, 14.09.2026 – Die Piratenpartei Deutschland lehnt die von der Bundesnetzagentur (BNetzA) unter der Bezeichnung „Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes)“ geplante Neuregelung der Netzentgelte für das Stromnetz ab.
Mit dem vorliegenden Entwurf wird eine grundlegende Fehlentwicklung fortgeführt, statt das Stromnetz für die Realität unserer Energienetze fit zu machen. Die Piratenpartei hat hierzu eine Stellungnahme bei der Bundesnetzagentur eingereicht.
Der Strommarkt hat sich fundamental verändert: Strom wird zunehmend dezentral erzeugt, Wind- und Solarstrom schwanken regional und zeitlich, gleichzeitig entstehen neue große Verbraucher durch Elektromobilität, Wärmepumpen und industrielle Elektrifizierung. Ein Netzentgeltsystem, das diese Veränderungen nicht angemessen abbildet, setzt die falschen wirtschaftlichen Anreize.
Besonders problematisch sieht die Piratenpartei die Überlegungen, Stromerzeuger stärker mit Netzentgelten zu belasten. Denn diese Kosten landen nur in der Kalkulation der Erzeuger und belasten damit den Strompreis zusätzlich.
„Die Idee Netzentgelte von Stromerzeugern zu verlangen und zu glauben, dass dadurch der Strom günstiger würde, ist absurd. Natürlich werden die Erzeuger diese zusätzlichen Kosten weiter geben, wodurch der Strompreis stark steigen wird, denn Kosten, die am Anfang einer Lieferkette steigen, kommen beim Endkunden verstärkt an. Das führt zu weiteren sozialen Härten und reduziert unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.“, so Babak Tubis, Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei.
Statt die Kosten des bestehenden Systems immer weiter umzulegen, braucht es nach Auffassung der Piratenpartei ein Netzentgeltsystem, das sich an der tatsächlichen Nutzung und Belastung des Stromnetzes orientiert.
Guido Körber, Themenbeauftragter Energiepolitik der Piratenpartei Deutschland, erklärt:
„Es wird mal wieder versucht Regeln zu schaffen, die so tun, als wenn wir immer noch ein Netz mit wenigen Erzeugern und vielen Verbrauchern hätten und Strom auf magische Weise überall im Netz eingespeist und entnommen werden könnte, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wie er da hin kommt. Notwendig ist einer klarer Bruch mit der Vergangenheit, wir brauchen Strompreiszonen und variable Netzentgelte, damit sich die Kosten endlich an der physikalischen Realität orientieren und so Nutzung und Ausbau des Stromnetzes sinnvolle Signale bekommen.“
Strom muss dort günstig sein, wo er erzeugt wird
Die heutige Struktur behandelt Stromnetze weitgehend so, als seien Erzeugung und Verbrauch überall gleich verteilt. Das entspricht längst nicht der Realität. Während beispielsweise im Norden große Mengen erneuerbarer Energie erzeugt werden, bestehen in anderen Regionen hohe Verbrauchs- und Netzlasten.
Die Energiewende braucht ein Netzsystem des 21. Jahrhunderts
Die Piratenpartei fordert die Bundesnetzagentur daher auf, die geplante Neuregelung grundlegend zu überarbeiten. Ein modernes System für die Netzentgelt muss die physikalische Realität des Stromnetzes berücksichtigen, Fehlanreize vermeiden und gleichzeitig Verbraucherinnen und Verbraucher vor unnötigen Kosten schützen.
Quelle:
[1] Energiepolitik Piratenpartei: Stellungnahme zur Neuregelung der Netzentgelte
(Titelbild wurde mit Grok erstellt)
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